Onshape mit KI: Claude baut Förderband & Schweißgestell
Kurz vorweg: Das Ergebnis hat uns positiv überrascht. Perfekt ist es nicht, aber deutlich weiter, als wir erwartet hätten. Wichtig zu Wissen, es ist kein direkter Chat in OnShape sondern aktuell noch ein Umweg über FeatureScript und imports.
Was ist ein MCP Server – und warum ist das für CAD spannend?
MCP steht für Model Context Protocol. Das ist ein offener Standard, über den KI-Assistenten wie Claude mit anderen Programmen sprechen können. Statt dass Du der KI alles erklären musst, bekommt sie über den MCP Server direkten Zugriff auf das Wissen und die Werkzeuge der jeweiligen Software.
Im Fall von Onshape heißt das: Claude kennt die FeatureScript-Sprache, kann Code schreiben, prüfen und verbessern – und Du beschreibst einfach in normaler Sprache, was Du haben willst.
Kurz erklärt: Was ist FeatureScript?
FeatureScript ist die Programmiersprache, auf der Onshape selbst aufgebaut ist. Jedes Standard-Feature wie Extrusion oder Verrundung ist darin geschrieben. Du kannst damit eigene Features bauen, die dann genau wie die eingebauten Werkzeuge im Part Studio auftauchen – inklusive eigener Eingabefelder für Maße und Optionen.
Wer unsere Beiträge zu iLogic kennt: Die Idee ist ähnlich. Statt immer wieder dieselben Schritte von Hand zu klicken, beschreibst Du die Konstruktion einmal als Code. Der Unterschied: FeatureScript erzeugt die Geometrie direkt selbst.
So sind wir vorgegangen
Unser Ablauf war bewusst einfach gehalten:
- FeatureScript MCP Server aktivieren: In Onshape bei den Onshape Labs anmelden und im App Store den „FeatureScript MCP Server“ abonnieren.
- Claude in VS Code einrichten: Wir haben Claude Code in VS Code genutzt und den MCP Server mit einem einzigen Befehl hinzugefügt (siehe unten).
- Konstruktion beschreiben: In normaler Sprache erklärt, was wir brauchen – zum Beispiel ein Förderband mit Rahmen, Rollen und Stützen.
- Code übernehmen: Den von Claude erzeugten FeatureScript-Code in ein neues Feature Studio in Onshape kopiert.
- Feature aufrufen: Im Part Studio das neue Feature ausgewählt – und das Modell wurde erzeugt.
Der Befehl, um den MCP Server mit Claude Code zu verbinden:
Danach in Claude Code /mcp eingeben und die Verbindung mit Deinem Onshape-Konto bestätigen. Das war’s.
Achtung: Das ist keine direkte Einbindung von KI ins CAD, man erstellt eher eine Art script dass dann in OnShape geöffnet und aktiviert wird.
Ergebnis 1: Das Förderband
Für das Förderband haben wir Claude die Grundidee beschrieben: „Bitte erstelle mir eine Förderband für einen Werkstückträger 400x600mm, 4m Länge, es soll ein Kettenförderer sein inklusive Antriebstechnik, 2 Stoppern und eine Aushebeeinheit, Bandhöhe 800mm“
Ohne Korrekturschleifen, also nur nach diesem einen Aufruf, hat Claude diesen Entwurf eines Förderbands erstellt. Zugegeben, bei weitem keine fertige Konstruktion aber für einen ersten Entwurf den man vielleicht in einem einfachen Layout einbauen möchte ausreichend.

Ergebnis 2: Das Schweißgestell
Beim Schweißgestell ging es um einen klassischen Rahmen aus Vierkantrohren mit Streben und Füßen – also genau die Art Bauteil, die in jedem Sondermaschinenbau-Projekt immer wieder vorkommt. Auch hier sah das Ergebnis schon ganz gut aus.
Besonders bei einfachen Konturen, vielleicht auch Vorlagen für die Konstruktion kann so ein Script sehr hilfreich sein.
Einmal vorbereitet ist es definitiv denkbar, dass hier fehlerfreie Vorlagen erzeugt werden, die man sehr schnell anpassen und finalisieren kann.

Unser Fazit aus der Praxis
Was uns überzeugt hat:
- Der Einstieg ist erstaunlich einfach. Ohne FeatureScript-Kenntnisse kommst Du in kurzer Zeit zu einem ersten 3D-Modell.
- Grundgeometrien wie Rahmen, Rohre, Rollen und Stützen werden schnell und sauber erzeugt.
- Weil das Ergebnis ein echtes Onshape-Feature ist, lässt es sich wiederverwenden und mit Eingabefeldern für Länge, Breite oder Höhe versehen. Einzelteile werden auch korrekt erzeugt.
Wo Du noch selbst ran musst:
- Für den Rohentwurf ist das super. Für eine fertigungsgerechte Konstruktion mit Normteilen, Kaufteilen, Toleranzen und Zeichnung braucht es weiterhin einen Konstrukteur.
- Je genauer Deine Beschreibung, desto besser das Ergebnis. Vage Anfragen führen zu vagen Modellen.
- Der FeatureScript MCP Server ist ein Labs-Feature, also noch in der Erprobung. Funktionen können sich ändern.
- Aktuell hat das System keinen Zugriff auf Kaufteile oder importierte Teile und auch nicht auf Zeichnungen
Und was ist mit Datenschutz?
Für einen Test mit allgemeinen Bauteilen wie einem Förderband ist das unkritisch. Bei echten Kundenprojekten solltest Du aber genau hinschauen: Konstruktionsdaten, die unter NDA stehen, gehören nicht ungeprüft in einen Cloud-KI-Dienst. Bei uns gilt deshalb: Kundendaten nur anonymisiert oder gar nicht.
Was bedeutet das für Inventor-Anwender?
Onshape hat hier einen klaren Vorsprung, weil es als Cloud-CAD von Grund auf offen für solche Anbindungen ist. Bei Inventor funktioniert KI-Unterstützung heute vor allem über iLogic und die Inventor-API: Du lässt Dir von der KI Regeln oder Add-ins schreiben und bindest sie selbst ein. Das klappt auch sehr gut, nur eben nicht so direkt.
Wir sind gespannt, wie schnell andere CAD-Hersteller nachziehen. Klar ist für uns: KI wird den Konstrukteur nicht ersetzen. Aber sie nimmt ihm genau die Arbeit ab, die ohnehin keiner gern macht und lässt mehr Zeit für das, was wirklich Know-how braucht.
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